Es gibt eine Menge gastronomischer Angebote, die man in Leipzig erwartet – von hip über vegan bis hin zu sterneverdächtig. Schließlich hat sich die Stadt inzwischen zu einem „place to be“ entwickelt. Irgendwie passt da ein bayerisches Wirtshaus nicht so richtig ins Bild. Wenn man aber weiß, dass sich der Bayerische Bahnhof seit 1842 mit seinem Zugbetrieb zum Tor Leipzigs in den Süden entwickelte, im Krieg zerstört und 1975 unter Denkmalschutz gestellt wurde, dann wird daraus der bekannte Schuh.
Bayerischer Bahnhof – Tor Sachsens in den Süden
Inzwischen befindet sich neben dem alten Bahnhof eine moderne S-Bahn-Station. Viel wichtiger aber: knapp 10 Jahre nach der Wende entschlossen sich mutige Menschen, den Bayerischen Bahnhof zu sanieren und in den Räumlichkeiten eine Gasthausbrauerei einzurichten. Heute ist der Bayerische Bahnhof ein beliebter Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen – kein Wunder, denn hier wird nicht nur eine kühle Gose (obergärige Bierspezialität) sondern auch richtig gute bayerische Küche serviert.

Das Ambiente im Bayerischen Bahnhof ist urtypisch wie es sich für ein Gasthaus gehört. Hier trifft man sich gerne mal auf ein schnelles Feierabendbier oder für einen gemütlichen Abend mit deftiger Küche. Trotz der zahlreichen Plätze ist tatsächlich auch wochentags eine Reservierung zu empfehlen.

Bei unserem ersten Besuch im Bayerischen Bahnhof waren wir noch nicht erfahren bezüglich der Portionsgrößen. Daher bestellten wir sicherheitshalber eine Brotauswahl mit Kräuterbutter und Schmalz vorweg. Letzteres war fluffig aufgeschlagen und machte aus der durchaus fettigen Angelegenheit einen feinen Aufstrich, der Lust auf mehr Deftigkeit entfachte.

Meine Wahl im Bayerischen Bahnhof fiel auf die Hax`nsülze mit Spreewalder Gurken, Bratkartoffeln und Remoulade. Die hausgemachte Sülze war nicht nur geschmacklich wunderbar, sondern überzeugte auch mit reichlich Fleischeinlage. Dazu speckig-knusprige Bratkartoffeln und eine spritzig-saure Remoulade. In der Summe ein rundum gelungenes Gericht, das auch für den größeren Hunger gereicht hätte.

Zu den Klassikern im Bayerischen Bahnhof gehören Sächsischer Sauerbraten und Fränkische Rinderroulade, beide mit hausgemachtem Rotkohl und Kartoffelklößen. Ich habe selten eine so saftige Roulade kosten dürfen. Der Rotkohl war perfekt und die Klöße hätten in Bayern jeden kritischen Geschmackstest bestanden. Und auch der Sauerbraten war ein Träumchen, zusammen mit einem Schluck frischer Gose geht das nicht besser.
Natürlich Beilagensalat
Auch wenn ich mich im tiefsten Sachsen befand, so war in im Bayerischen Bahnhof ja doch gefühlt jenseits des Salatäquators. Darum musste zwingend ein Beilagensalat her. Und auch der konnte mit Frische, Vielfalt und leckerem Dressing überzeugen.

Wie es sich für ein bayerisches Wirtshaus gehört, steht auch in Leipzig ein Leberkäs auf der Speisekarte. Und zwar als kleine Version, im Ganzen gebacken und mit Kartoffel-Gurkensalat und Senftöpfchen serviert. Ein saftiges Teilchen, das mega würzig und in Begleitung eines samtigen Kartoffelsalats richtig Spaß machte.

Übrigens: der Bayerische Bahnhof hat im Sommer einen traumhaften Biergarten, der sicher zu den schönsten in Leipzig gehört.

FAZIT: Der Bayerische Bahnhof serviert tolle bayerische Küche, sächsische Spezialitäten und hausgebrautes Bier in gemütlichem Ambiente. Jederzeit wieder!
Bayerischer Bahnhof
Bayrischer Platz 1
04103 Leipzig
www.bayerischer-bahnhof.de