Die zweite Runde beim Menükarussell 2026 führte uns in die Gute Stube in Herne. In der Küche des kulinarisch vermutlich ersten Hauses in der Stadt hatte es im vergangenen Jahr den ein und anderen Wechsel gegeben. Nun hat sich aber Chef Thomas Klasna fest eingerichtet und serviert mit seinem Team nach eigenen Aussagen klassische französische Küche mit einem Hauch Asien. Ein Konzept, das passt und ganz viel Spaß macht – perfektes Handwerk und kreativer Geschmack inklusive.
Die Gute Stube empfing uns gewohnt stilvoll und herzlich an einem Tisch mit tollem Blick auf den angrenzenden Stadtgarten. Da kann man sich doch mal einen wunderbaren Champagner als Aperitif gönnen 😉

Vorweg gab es einen Gruß der Küche aus der Dose. Ganz ohne weiteres Werkzeug geöffnet fanden wir in der witzigen Verpackung eine kräftige Feta-Creme mit Linsen, dicken Bohnen und Granatapfel. Eine Variante, in die man sich erst reinprobieren musste, die aber am Ende mit cremiger Salzigkeit, knackigen Hülsenfrüchten und feiner Säure überzeugen konnte.

Das eigentliche Menü in der Guten Stube startete mit einem Carabiniero-Carpaccio, Vadouvan-Krustentier-Emulsion, Yuzu und Gurke. Das Carpaccio war von bester Qualität, der Carabiniero zerfloss förmlich auf der Zunge und bildete eine aromatische Symbiose mit den Tupfen von Avocadocreme und Yuzu-Majo. Gegen soviel Schmelz konnte man die knackigen Gurken gut gebrauchen, die das Mundgefühl mit dezenter Säure wunderbar abrundeten.

Im klassischen Menü standen als nächster Gang Agnolotti mit Enten-Confit-Füllung, Rote Bete und Enten-Essenz auf der Karte. Zarte Nudeltaschen mit kräftiger Füllung durften dabei in einer intensiven Brühe baden und machte sie Suppenliebhaber*innen am Tisch ordentlich glücklich.

Zum Glück ist die Gute Stube ganz unkompliziert offen für Änderungswünsche der Gäste. Darum durfte ich mich statt der Suppe an einem vegetarischen Zwischengang erfreuen. Was ein Genuss! Die gedörrte Wassermelone war von überraschender Konsistenz und hatte durch den Dörrprozess nahezu die komplette fruchtige Süße verloren. Dadurch ähnelte die Melone fast einem Beef-Tartar und harmonierte wunderbar mit der knackigen Rote Bete. Eine spicy Ergänzung waren Meerrettich-Schaum, Liebstöckel-Öl und feine Streifen von Sauerampfer. Wie schön, wenn die Küche sich an mutige vegetarische Küche wagt!

Im Hauptgang stand mal wieder die schwierige Entscheidung zwischen Fisch und Fleisch an. Die Gute Stube hatte Bretonischen Seehecht im Angebot, da konnte die Fischliebhaberin am Tisch nicht widerstehen. Wie Ihr wisst, war das nicht ich 🙂 Aber ich durfte deutliche Begeisterung ob der Qualität und des Geschmackes vernehmen. Mich hätte allein die Optik gereizt, mich an das Meerestier zu wagen. Der Fisch glasig, das Gemüse knackig und das Sößchen cremig – vielleicht beim nächsten Mal…

Es war aber auch zu verführerisch, schließlich hatte die Gute Stube sich entschieden, beim Menükarussell feinstes Wagyu-Roastbeef auf die Karte zu schreiben. Das Fleisch war unglaublich! Im wahrsten Sinne butterzart, perfekt rosa gebraten und mit kräftiger Kruste war es eine kulinarische Offenbarung. Die Spinatcreme hatte arge Mühe gegen soviel Geschmack, die Morchelsoße hingegen konnte locker mithalten.
Feinstes Wagyu-Roastbeef
Ich oute mich an dieser Stelle: Ich hasse Kroketten! Die Mischung aus pampiger Kartoffel in frittierter Hülle erschließt sich mir einfach nicht. Aber die Pommes Dauphine in der Guten Stube waren – quasi als Edel-Variante – der Knaller. Knusprig, salzig, unglaublich lecker!

Endspurt mit der Mozartkugel 2.0: ein knuspriger Quarkknödel mit Nougatfüllung auf einem Bett aus feinster Pistaziencreme mit Marzipaneis und einem Hauch Blattgold. Der Knödel hatte Potenzial für ein Hütten-Lieblingsdessert, beim Eis waren die Meinungen am Tisch geteilt (ich fand es geil, weil nicht zu penetrant marzipanig), die Nusscreme hüllte das Ganze in cremige Arme – wunderbar!

FAZIT: Das Menükarussell in der Guten Stube bietet wunderbare gehobene Küche zu einem fast schon unverschämt günstigen Preis! MUSS man machen!
Gute Stube
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