Als ich Anfang letzten Jahres das erste Mal einen wundervollen Abend im SchwarzGold verbringen durfte, war mir schon nach dem ersten Appetizer klar, dass kein Weg am Michelin-Stern vorbei führen konnte. Und ich sollte Recht behalten: seit Mitte 2025 hängt der begehrte Macaron an der Tür des Restaurants auf der Kokerei Hansa. Wenn das mal kein Grund ist, mal wieder im SchwarzGold vorbei zu schauen? 🙂
Dortmunder Currywurst
Die Dortmunder Currywurst als Lolly hat sich zum Signature Dish des SchwarzGold gemausert. Kein Wunder, schafft es das Team um Chef Pierre Beckerling doch das gewohnte Geschmackserlebnis von Currywurst-Pommes-Majo komplett vegetarisch auf den Lolly zu bringen.

Und auch das SchwarzGold-Hanuta (knusprige Waffel mit Leber, Trüffel und Haselnuss) sowie das „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ (Mini-Förderturm mit Makrele und Gürkchen) gehören zu den wiederkehrenden Grüßen der kreativen Küche. Wie bei allen Gerichten im SchwarzGold denkt man sich: „Da muss man erst mal drauf kommen“.
Hanuta, Koks und Sauerbraten
Genau wie auf ein Rotkohlmacaron mit einer Sauerbraten-Kugel (geschmort, gezupft und als Sphäre in Form gebracht), geräuchertem Aal und Kaviar. Irre gut!

Chef Pierre ist ein waschechtes Kind des Ruhrgebiets. Und da hat man den Kindern mittags gerne Bratkartoffeln serviert – mit Ketchup! Ja genau, so muss das im Pott. Ich weiß, wovon ich rede. Und genauso war es auch bei Mutter Beckerling. Dazu durfte der Sproß dann auch immer eine Folge seiner Lieblingsserie „King of Queens“ schauen. Ob es ihm damals schon bewusst war, dass diese Erfahrung ihn 25 Jahre später zu einer unglaublich intensiven Bratkartoffelessenz mit Ketsup (zum Ablecken auf einer Petri-Schale) inspirieren sollte?
Zeitgenossen mit Bildung sprechen es Ketsup aus
Vermutlich nicht, aber kulinarische Wege sind manchmal eben unergründlich. Für alle, die nicht tief im Thema King of Queens sind und denen das Zitat „Zeitgenossen mit Bildung sprechen es Ketsup aus.“ nichts sagt, gab es direkt den QR-Code zur legendären Szene dazu. Ein Abend im SchwarzGold ist eben nicht nur Essen, sondern ein Erlebnis für alle Sinne.

Wie üblich in modernen Sternerestaurants sind die Gerichte auch im SchwarzGold meist nahezu frei von klassischen kohlenhydratreichen Sättigungsbeilagen. Statt dessen gibt dazwischen immer mal traumhaftes Brot aus der Naturbackstube Kreis in Dortmund. Egal ob Franz, das Sauerteig-Baguette, Gretel, das Bio-Sauerteig-Brot, oder das Volle Korn, alle Brote glänzten mit handwerklicher Perfektion und wunderbarem Geschmack. Kein Wunder, dass die Backstube Kreis sich inzwischen zum bevorzugten Lieferanten für die gehobene Gastronomie in der Region entwickelt hat.

Das eigentliche 5-Gang-Menü startete mit einem Ijsselmeer-Zander (als Rückenstück mit fluffiger Farce), begleitet von gepickeltes Kohlrabi und einer Austern-Sphäre mit irre viel Aroma, der auf einer hinreißend cremigen Sauce, die in der Aromatik sofort an Königsberger Klopse erinnerte.
So holt man Tradition in die Moderne, ganz ohne abzuheben und immer mit Blick auf die Bodenständigkeit unserer Heimat im Pott.

Es ging weiter mit der Frage, was zuerst da war: Das Huhn oder das Ei 😉 Saftiges Hähnchen mit Bittersalaten und Karotte in verschiedenen Konsistenzen wurden nebst einem mit fluffiger Eiercreme und crunchy Sonnenblumenkernen gefülltem Ei serviert. Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, dass Huhn und Möhre zusammen mit einer gebackenen Feder tatsächlich in der Form an ein Huhn erinnerten. Typisch SchwarzGold! Und echt lecker war es natürlich auch.

Wie es sich für ein Sternerestaurant gehört, sind die Zutaten im SchwarzGold von bester Qualität. Die Hansegarnele aus Glückstadt an der Elbe gehört unumstritten dazu. Eine Wucht an Frische und Aroma, die jede bis dato gegessene Garnele in den Schatten stellte. Dazu eine über Tage gezogene und reduzierte Soße, Grünkohlcreme, grüne Tomate (als frischer Gegenpol zu den intensiven Aromen) und Sucuk mit ordentlich Bumms und Knobi. Eine fast schon verrückte Kombination und „ein Maul voll Geschmack“.

Schon mit der Sucuk im vorherigen Gang spielte die Küche mit den Geschmäckern der im Ruhrgebiet verbreiteten türkischen Tradition. In meinem vegetarischen Hauptgang zog sich der Ansatz mit Cig Köfte nahtlos durch. Bulgur in Perfektion zubereitet und gewürzt, dazu knackige Paprika, würziges Tomatenragout und eine cremig-scharfe Linsensoße – mit einem Knall fühlte ich mich wie in 1000 und einer Nacht.

Natürlich besteht ein Hauptgang im SchwarzGold nicht nur aus einem Tellergericht. Einzelne Komponenten finden sich in kreativen Side Dishes wieder, wie die Linsen in einer knusprigen Falafel auf Salat mit spicy Majonaise und Sumach – im positivsten Sinne wie aus einer Deluxe-Dönerbude!

Meine bessere Hälfte entschied sich für den fleischigen Hauptgang in Form eines heimischen Rehrückens (natürlich perfekt rosa), Aubergine, Feta-Creme im Knuspermantel, einem Manti (gefüllte türkische Teigtasche) und einer Jus zum Niederknien. Irgendwie klassisch, dann aber doch modern und international hielt das SchwarzGold auch hier problemlos das Niveau.

Ich liebe ja bekanntlich Desserts in gehobenen Restaurants. Und der süße Abschluss konnte mich auch diesmal richtig glücklich machen. Cremige Mousse und knackige Hülle von 70%tiger Schokolade aus Trinitario-Kakao aus dem Udzungwa Park in Tansania auf einer Eierlikör-Soße (tatsächlich ganz ohne Eier hergestellt) mit einem Tahin-Eis und etwas knusprigem Schokokeks – so und nicht anders geht der perfekte Abschluss eines grandiosen Menüs.

Obwohl wir streng genommen ja noch garnicht am Ende waren…
Im SchwarzGold ist das Erlebnis nämlich erst nach dem Candyshop Kiosk und einer bunten Tüte ohne Lakritz zu Ende 🙂 Weihnachtlich dekoriert gab es noch eine Auswahl an hausgemachten Pralinen, Lolly-Pops und kandierten Nüssen. Wer da am Ende nicht lächelt, der oder dem kann man nun wirklich nicht mehr helfen.

FAZIT: Das SchwarzGold in Dortmund erfindet sich ständig neu. Dabei stehen handwerkliche Perfektion, beste Zutaten und ganz viel Geschmack immer im Fokus. Das Ambiente voller Ruhrgebiets-Tradition und die unkomplizierte Atmosphäre tragen zum perfekten Erlebnis bei. Der Michelin-Stern hängt völlig zu Recht an der Tür! Vielleicht ja sogar schon bald der zweite?
SchwarzGold
Emscherallee 11
44369 Dortmund
www.schwarzgold-dortmund.de