Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass es auch in trubeligen Millionenstädten die ein und andere kulinarische Oase gibt. Vor allem, wenn neben tollem Essen auch noch das Ambiente stimmt. Eine solche Genussoase ist ohne Zweifel das Haus Müller. Mitten in der Kölner Südstadt kann man dort unter lauschigen Bäumen wunderbare Küche genießen. Es fühlt sich an wie ein kleiner Urlaub vom Alltag!
Die Karte im Haus Müller ist saisonal, frisch und folgt dem beliebten Trend nach moderner Bistroküche. Mit dabei auch eine Reihe „Kleiner Teller“ in kalt und warm – deutsche Tapas, gerne mit einem Hauch internationalem Einschlag. Für uns perfekt an diesem warmen Sommerabend oder wenn einem einfach mal nach Teilen und Durchprobieren ist.

Ein Dauerbrenner im Haus Müller ist das frisch gebackene Sauerteigbrot, das mit fluffig aufgeschlagener Salzbutter serviert wurde. Ein toller Starter mit ganz viel Potenzial für Suchtgefahr. Ein Dank an dieser Stelle an den freundlichen Service, der uns empfahl, nur zwei Portionen zu bestellen, da diese locker für vier Personen reichen würden.

Und dann ging es los mit den „Kleinen Tellern“: Handgeschnittenes Rindertatar mit Trüffelmayo, gebackenen Kapern und als besonderes Topping gebeiztes Eigelb großzügig drüber gehobelt. Die Küche im Haus Müller versteht definitiv Ihr Handwerk. Würzig, zart und aromatisch kam das Tatar auf den Teller, dazu eine perfekt abgestimmte Mayo mit präsentem, aber nicht aufdringlichem Trüffelgeschmack. Eine tolle Komposition, die Lust auf mehr machte. Am Tisch hörte man gar Äußerungen, die das Tatar als „das beste, was ich je gegessen habe“ titulierten. Eine kleiner Teller, der Lust auf mehr machte.

Wie auf die gebackene Sardine mit gebratenem Romanasalat, Orange und Verjus-Vinaigrette. Knackiger Salat, butterzarter Fisch, fruchtige Orangenfilets und ein schmeichelndes Dressing mit spritzigem Verjus. Der Saft aus unreifen Trauben ist wirklich eine wunderbare Alternative zu Essig oder Zitrone in der Vinaigrette, verzaubert er doch durch subtile Säure ohne dominant zu sein. Für eine Portion Deftigkeit auf dem Teller sorgten fein-würzige Würfelchen vom Pecorino. In der Summe servierte das Haus Müller eine perfekte Mischung aus mediterraner Leichtigkeit und kölscher Bodenständigkeit.

Fast schon zwingend muss auf Speisekarten in Metropolen auch das ein uns andere vegane Gericht zu finden sein. So auch im Haus Müller. Und die vegane Ceviche aus Austernpilz & Kräuterseitling mit roter Zwiebel, Mais und Tigermilch klang ja auch wirklich verlockend. Die Pilze waren in ihrer Konsistenz einen Hauch fester als der sonst übliche Fisch im peruanischen Nationalgericht. Dem Geschmack tat das aber keinen Abbruch. Vor allem weil die Tigermilch alles mitbrachte, was eine gute Ceviche braucht: ordentlich Schärfe und bissige Säure. Der Mais dazu brachte ordentlich Knack und die Zwiebeln einen fast fruchtigen Schmelz. So geht richtig gutes veganes Essen!

Wie gesagt, war es bei unserem Besuch in der Domstadt auch abends noch reichlich warm. Darum fielen die Hauptgerichte diesmal aus und wir vergnügten uns mit ein paar Leckereien zum Dessert. Die Crêpes mit Orangensauce, Granatapfel und Walnusscrunch taugten mit ihrer Haube aus knusprigem Engelshaar zwar so garnicht für ein schickes Foto. Dafür konnten sie aber geschmacklich auf ganzer Linie überzeugen. Eine süße Sünde, in die man mit dem Löffel tief eintaucht und mit vollem Mund so richtig glücklich ist.

Etwas leichter, aber nicht minder lecker war das Tartelette mit Zitronenfrischkäsecreme, marinierten Erdbeeren und Basilikumöl. Ganz klar: das Haus Müller kann süß 😉 Und zwar richtig gut! Ein knuspriges, sichtlich hausgemachtes Törtchen aus buttrigem Knusperteig, gefüllt mit fluffiger Creme, genau richtig ausbalanciert zwischen Süße und Säure und dazu eine herb-frische Note, die das Basilikum mitbrachte. Ein wunderbares Sommerdessert!

Ok, eigentlich waren wir schon satt. Aber wenn schon mal eine französische Käseauswahl auf der Karte steht, dann muss man doch einfach zuschlagen, oder? Wir hätten sonst aber auch was verpasst. Der Käse war richtig gut und die Mischung gelungen. Mich hat tatsächlich der Blauschimmel extrem begeistert. Und das, obwohl ich sonst mit Gorgonzola und Co. nicht viel anfangen kann. Aber die Sorte im Haus Müller war so richtig würzig und so ausgewogen blauschimmelich – toll!

FAZIT: Das Haus Müller in Köln ist eine echte Genussoase in der Südstadt. Tolles Essen, lauschiges Ambiente und herzlicher Service lassen den Alltag für ein paar Stunden in Vergessenheit geraten. Unbedingt reservieren, auch unterhalb der Woche ist nur schwer ein Tisch zu ergattern.
Haus Müller
Achterstraße 2
Innenstadt
50678 Köln
www.haus-müller-köln.de
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