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Durchgekaut: Wolkenstein und das Grödnertal

Südtirol. Die nördlichste italienische Provinz ist nicht nur gesegnet mit traumhaften Bergen und Landschaften. Nein, hier wird auch richtig lecker gekocht. Die Mischung aus deftiger Almküche und mediterranen Einflüssen ist einfach köstlich. Und nur der guten Ordnung halber: Südtirol gehört zwar geografisch zu Italien, die Südtiroler*innen an sich fühlen sich aber mal so garnicht wie Italiener*innen.

Alljährlich zieht es uns – meist im Herbst – in eins der Wanderparadiese in den Tälern der Dolomiten. Diesmal sollten es sogar zwei sein: Wolkenstein im Grödnertal und Welschnofen im Eggental.

Wolkenstein im Grödnertal

Unser Domizil in Wolkenstein war nun schon zum dritten Mal das zentral gelegene Hotel Armin. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es in den Dolomiten oft eine vernünftige Entscheidung ist, die Halbpension zu wählen.

Im Hotel Armin besteht diese aus einem 5-Gänge-Menü plus Salatbuffet. Ob man alle 5 Gänge möchte, kann man natürlich selbst entscheiden. Zudem stehen im Hauptgang stets Fleisch, Fisch oder eine vegetarische Variante zur Auswahl. Und wenn trotzdem mal nichts Passendes dabei ist, dann gibt es täglich Spaghetti Bolognese oder mit Tomatensoße, Rind oder Huhn vom Grill, Wiener Schnitzel oder Omelett. Wer da jetzt immer noch Nichts findet, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. 😉

Übrigens: Der Dessertgang fiel bei uns durchweg aus und wurde durch Espresso und Willi ersetzt 😉

Wir genossen vier Übernachtungen in Wolkenstein. Neben gutem Essen im Hotel Armin haben wir uns natürlich das ein oder andere Schmankerl auf den Hütten im Grödnertal gegönnt. Wandern macht ja schließlich Appetit.

Abendmenü Tag 1

Vitello Tonnato
Tiroler Speck- und Käseknödelsuppe
Penne „Amatricana“
Cordon Bleu oder Heringshai oder Quiche Lorraine (jeweils mit Safrankartoffeln und Caponata)
Birnenkompott mit Vanilleeis

Erfahrung Bewertung Kritik Vitello Tonnato Salat Knödelsuppe Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle
Zweimal Vorspeise und (natürlich!) Salat

Wir entschieden uns zunächst für das Vitello. Fleisch zart, Soße lecker cremig. Der hübsche Klecks Tomatenketchup machte es nicht besser oder schlechter 😉 Und hier begegnete sie uns zum ersten Mal: die krause Deko-Petersilie! Wir sollten sie in den kommenden Tagen noch oft sehen.

Bei der Knödelsuppe wussten wir wieder, warum wir Südtirol so lieben. Das können die da wirklich gut… also so richtig gut… und fluffig lecker… ach, was soll ich noch sagen ….

Südtirol – Home of the Knödel

Wie Ihr wisst, liebe ich Salat. Und da ich mich mal wieder jenseits des Salatäquators befand, schaute ich natürlich jeden Tag am Salatbuffett vorbei. Die Auswahl stets reichlich und frisch. Ich sag doch: Salat geht immer!

Erfahrung Bewertung Kritik Penne Amatricana Steak vom Grill Cordon Bleu Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle
Weiter geht es im Menü

Auch wenn Südtirol nicht Italien sein will, Pasta gehört dort dennoch zu den Grundnahrungsmitteln. Die Varianten eher rustikal mit Speck, Zwiebeln und Tomate. So wie die Penne „Amatricana“ an unserem ersten Abend. Einfach! Lecker! Punkt!

Saftiges Cordon Bleu und gut gegrilltes Rindersteak zum Hauptgang wurden von sehr schmackhaften Kartoffeln begleitet. Und von Caponata, also einem Mischgemüse aus Staudensellerie, Aubergine und Tomaten. Auch das war lecker, aber schon alleine wegen der Aubergine nicht meins. Und da war sie wieder: die krause Deko-Petersilie!

Troier Hütte auf der Secada Alm

Unsere erste kleine Wanderung führte uns in den Naturpark Puez-Geisler. Auf der Secada Alm erstrecken sich zahlreiche – als Einstiegswanderung sehr zu empfehlende – Wege. Und neben dem unglaublichen Panorama das Beste: überall trifft man auf gemütliche Hütten.

Erfahrung Bewertung Kritik Troier Hütte Secada Alm Puez Geisler Foodblog Sternestulle
Traumhaftes Wandergebiet

Unser Weg führte uns hinauf zur Troia Hütte (ca. 45 min ab Bergstation Col Raiser). Auch diese ist uns von vorherigen Wanderungen bestens bekannt. Wir entschieden uns Ganz klassisch für eine Jause mit Südtiroler Speck, Kaminwurzen und Bergkäse. Der Speck natürlich besser als jeder, den man beim hiesigen Metzger bekommt.

Erfahrung Bewertung Kritik Jause Krautsalat Troier Hütte Puez Geisler Südtirol Foodblog Sternstulle
Jause mit Speck und Kraut

Perfekt dazu: Vinschgauer Brot, ein dunkles Roggenbrot mit Kümmel und Anis. Und natürlich Schüttelbrot. Schmeckt so ähnlich, braucht nur kräftigere Zähne. Ach ja, Krautsalat mit Speck passt auch super dazu, vor allem wenn er so knackig würzig ist.

Tag 2 im Hotel Armin: ob es wieder Petersilien-Deko gibt?

Zunächst mal gab es wieder ein Menü:
Gedünstete Linsen mit Cotechino
Kartoffelcremesuppe mit Mais und Gorgonzola
Kürbisrisotto mit Olivenpesto
Kalbspaillard oder gegrillte Sardinen oder gefüllte Paprika (jeweils mit Kartoffeln und Rosenkohl)
Zweierlei Halbgefrorenes auf Erbeersoße

So, ehrlich sein: wer kennt Cotechino??? Ich musste es googeln. Cotechino ist eine kräftig gewürzte italienische Rohwurst aus Schweinefleisch. Der Name kommt vom italienischen „cotenna“, was Schwarte bedeutet. Und gegessen wird das Ganze auf Linsen zum Jahreswechsel. Für mich definitiv ein Grund, Silvester in Italien zu verbringen!

Cotechino???

Eine Vorspeise ganz nach meinem Geschmack, kräftig, würzig, deftig und vor allem: authentisch! Und dann noch mit feingehackter krauser Petersilie 😉 Unglaublich!

Da konnte ich getrost die Kartoffelsuppe ausfallen lassen, zumal Gorgonzola auf meiner geschmacklichen Hitliste nicht unter den Top 10 rangiert. Meine bessere Hälfte hat die Suppe gekostet und für lecker befunden. Foto fällt aus, weil farblich Cremeweiß mit dezentem Maisgelb unter weißem Schäumchen.

Erfahrung Bewertung Kritik Cotechino mit Linsen Spaghetti Bolognese Sardinen vom Grill Kalbspaillard Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle
Zweiter Abend, zweites Menü

Dem Kürbisrisotto zogen wir Spaghetti Bolognese vor. Gute Wahl! Sagte ich schon, dass man in Südtirol wunderbar Pasta essen kann? Dem Mann am Tisch war es noch nicht genug Fleisch, daher im Hauptgang Kalbspaillard. Saftig und zart rosa, dazu Beilagen, die eben Beilagen waren.

Und dann waren da noch gegrillte Sardinen. Eigentlich waren es Sardellen, aber wir waren ja auch in Südtirol und nicht am Mittelmeer. Dafür waren die kleinen Leckerchen umso leckerer. Gut gewürzt, ein Topping aus reifen Tomaten für die Frische. Nun, die Dolomiten lagen ja bis vor 65 Millionen Jahren noch unter dem Meer, da wundert es nicht, dass man sich wie an selbigem fühlt. Trotz skuriller Beilage.

Neue Wanderung: Toni-Demetz-Hütte

Zweiter Wandertag – auf zum Langkofel. Der Langkofel, auch Sassolungo genannt, gilt als Wahrzeichen der Dolomiten. Sicher auch wegen der alljährlichen Weltcup-Abfahrt auf der Saslong. Mir bereitet der Langkofel in seiner Schroffheit Unbehagen. Dennoch lohnt sich der Weg zur Toni-Demetz-Hütte.

Erfahrung Bewertung Kritik Toni Demez Hütte Fangkofel Foodblog Sternestulle
Geschichtsträchtige Hütte

Die berührende Geschichte rund um den verunglückten Bergführer und den damit verbundenen Bau der Hütte lässt uns fast andächtig werden. Zumal Tonis Bruder Enrico heute als präsente Seele die Hütte ausfüllt. Lest hier mehr zu den Hintergründen.

Erfahrung Bewertung Kritik Speckknödel auf Kraut Toni-Demetz-Hütte Langkofel Wolkenstein Grödnertal Foodblog Sternestulle
Leidenschaftslose Hüttenknödel

Gegessen haben wir auch. War aber nebensächlich, weil leider auch durchschnittlich. Die Gulaschsuppe geschmacklich gut, aber leider so dünn, dass es nicht für ein ordentliches Foto reichte. Die Speckknödel südtirolerisch lecker, aber mit wässrigem Kraut serviert.

In der Summe haben es Ausblick und Ambiente raus gerissen, ein Besuch der der Toni-Demetz-Hütte sollte daher unbedingt auf der Tagesordnung eines Urlaubes im Grödnertal stehen.

Schon wieder ein Tag vorbei und ein neues Menü

Gebratene Rosmarin-Garnelen auf weißen Chili-Bohnen
Französische Zwiebelsuppe
Hausgemachte Bandnudeln mit Steinpilzen
Barberie-Entenbrust oder Rotbarsch in Folie oder Käse vom Rost (jeweils mit Dauphinekartoffeln und Blattspinat)
Schokotörtchen mit weichem Kern und Kokoseis

Wir starteten (natürlich nach dem Salat ;-)) mit den Garnelen auf Bohnen. Auch dieses Gericht mutete bäuerlich deftig an, war aber superlecker! Cremige Bohnen, leichte Schärfe …. mmmmmhhhh.

Erfahrung Bewertung Kritik Bohnen mit Gambas Pasta mit Steinpilzen Entenbrust Rotbarsch Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle

Die Französische Zwiebelsuppe war uns dann doch etwas suspekt in den Südtiroler Dolomiten. An dieser Stelle sei aber erwähnt, dass das Publikum in Wolkenstein und damit auch im Hotel Armin durchaus international ist.

Daher folgten die Bandnudeln (sichtbar hausgemacht!) mit Steinpilzen. Optisch supoptimal, aber wen stört das, wenn es schmeckt? Rotbarsch in Folie so perfekt glasig zu garen, das muss man können. Die Küche im Hotel Armin kann es definitiv. Und dazu das Ganze auch noch gut gewürzt.

Manchmal ist weniger mehr

Tja, die Entenbrust. Gut gebraten, dazu eine ordentliche Soße und diverse Beilagen. Zu behaupten, es wäre nicht gut gewesen, wäre unfair. Aber uns wurde das erste Mal bewusst, dass es nicht immer besser wird, wenn man von der regional-authentischen Küche abweicht. Da reißt es auch die krause Deko-Petersilie nicht raus. Sorry.

Übrigens sah das Schoko-Törtchen am Nebentisch so gut aus, dass wir kurz überlegt haben, der Espresso-Willi-Tradition abtrünnig zu werden 😉

Der nächste Morgen begrüßte uns mit grauem Regenwetter, was sich auch den ganzen Tag halten sollte. Aber wofür gibt es Seilbahnen? Eben eine solche brachte uns auf die wohl bekannteste Hochalm Europas, die Seiser Alm. Wenn es nicht regnet, kann man dort auch wunderbar spazierwandern. Wir dann wieder ein anderes Mal.

Restaurant Mont Seuc: Ladinische Sprache – schwere Sprache

Direkt an der Bergstation gelegen findet man das Ristorante Mont Seuc. Man darf sich vom Namen nicht abschrecken lassen, das „Ristorante“ hat auch eine gemütliche Stube. Und Mont Seuc ist nichts Anderes als Seiser Alm auf ladinisch. Da diese Sprache nur im Grödner Tal gesprochen wird, kommt es uns manchmal nur befremdlich vor.

Eigentlich war der Plan, nur auf ein Getränk die Stube zu besuchen. Aber der Gruß der Küche (OHNE, dass wir irgendwas Essbares bestellt hatten) war schon so lecker, dass wir beschlossen, noch auf ein Pastagericht zu bleiben. Manchmal meint es das Schicksal gut mit einem 😉

Erfahrung Bewertung Kritik Tagliatelle mit Wildragout hausgemachte Fusili Mont Seuc Seiser Alm Südtirol Foodblog Sternestulle
Zweierlei Pasta und Gruß der Küche

Tagliatelle mit Hirschragout. Schon oft gegessen, aber selten so gut. Extrem saftiges Fleisch, schmalzig-würziges Sugo und perfekt al dente Pasta. Muss ich noch mehr sagen? Aber es war noch zu toppen. Nämlich durch die hausgemachten Fusilli mit Tomaten und pikanter Salami. DER KNALLER!

Erfahrung Bewertung Kritik Häppchen zum Aperitif Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle
Häppchen zum Aperitif

Zurück im Hotel erwartete uns der wöchentliche Aperitif-Empfang mit kleinen Leckerchen. So kann der Abend beginnen!

Und dann noch ein letztes Menü im Hotel Armin

Rindscarpaccio mit Rucola und Parmesan
Tortellini in Kraftbrühe
Spaghetti mit Knoblauch, Öl und Chili auf Blumenkohlcreme
Truthahnbrust aus dem Ofen oder gebackener Tintenfisch oder Artischockensoufflé (jeweils mit Ofenkartoffel und Balsamico-Zwiebeln)
Crème Brulée

Kennt Ihr das, wenn Essen schon allein deshalb besser schmeckt, weil es gut klingt? Also so wie Rindscarpaccio statt Rindercarpaccio. Klingt doch gleich schmackhafter und weniger hart, oder? Keine Ahnung, ob das den Ausschlag gegeben hat, auf jeden Fall haben wir es gewählt und für gut befunden. Ebenso wie die Tortellini in Kraftbrühe.

Im Hotel Armin sucht man morgens aus, worauf man am Abend Lust hat. Voll verständlich für die Planung. Wir waren uns am Frühstückstisch ziemlich schnell einig, dass wir die Spaghetti zwar mit Knobi und Chili, aber auf jeden Fall ohne Blumenkohlcreme nehmen würden.

Blumenkohlcreme – so ein Unsinn!?

Die Abbestellung hat zum Glück nicht geklappt. Die in unseren Augen abstruse Idee machte die Pasta nicht nur blumenkohl-cremig, sondern unterstrich gleichsam Chili und Knoblauch. Irre, aber genial lecker!

Beim Hauptgang (Truthahnbrust) erkannten wir wieder, was uns schon bei der Entenbrust begegnete. Nein, nicht nur die krause Deko-Petersilie. Sondern die Tatsache, dass die Küche im Hotel Armin bei der Zubereitung Südtiroler Speisen brilliert und bei anderen Dingen gerne übers Ziel hinaus schießt.

Erfahrung Bewertung Kritik Carpaccio Tortellini Spaghetti Truthahn Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle
Das letzte Menü

Das ist alles trotzdem sehr lecker, die Frage ist nur, ob es das braucht. Und es ist definitiv Jammern auf hohem Niveau. Wir waren jeden Abend glücklich und zufrieden.

Das Hotel Armin verspricht Erholung mit guten Essen und Familienanschluss. Chef Manni, Ehefrau Romana und ihr Team sorgen für absolute Wohlfühlatmosphäre. Und um alle weiteren Wünsche kümmert sich Chefkellner Florin mit freundlicher Herzlichkeit.

Wir kommen ganz sicher wieder!

Und zum Schluss: Ehre, wem Ehre gebührt! Begrüßt mit mir die krause Deko-Petersilie… und die Tomate 😉

Erfahrung Bewertung Kritik Hotel Armin Wolkenstein Foodblog Sternestulle
Ohne Worte

Ich hatte ja eingangs erwähnt, dass wir zwei Täler besuchten. Zwei Täler, zwei Blogs … lest hier, wie es in Welschnofen war.

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